Mittwoch, 9. Juni 2010

China in einer literarischen Krise

Eingestellt von Falballa um Mittwoch, Juni 09, 2010
Ex-Premiers Li Peng hatte Tagebücher geschrieben geschrieben, als es am 4. Juni 1989 zu einem Blutbad kam. Diese Tagebücher wurden zensiert  - tauchten jetzt aber online auf - und ganz China kann mitlesen.

Das Foto links ist von einer Demonstration 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens und sie demonstrieren für Demokratie, Pressefreiheit und gegen Parteiprivilegien. Doch dieser Protest wird am 04. Juni blutig niedergeschlagen und fordert viele Opfer.

Der Hauptverantworteliche damals war Li Peng, der heute 81 Jahre alt ist. Jetzt tauchen seine Tagebücher immer wieder Stückenchenweise im Internet auf. Eigentlich ist von der Chinesischen Regierung das googlen unmöglich geworden, denn China hat eine entsprechende Firewall in die Explorer eingebaut. Doch das ist jetzt anders.

Kluge Köpfe haben die Einträge unter anderen Daten ins Internet gestellt, so galt der 31. Mai als Geheimtipp für den 4. Juni. Jetzt ist es allerdings noch einfacher, denn seit Montag kann man einfach "Baidu" und den Namen des Tagebuchschreibers eingeben und bekommt es tatsächlich zu sehen. Somit wird die Zensur umgangen und die verbotenen Schriften können abgerufen werden.

Wie das passieren konnte weiß man auch schon: Nur die "South China Morning Post" hatte ein 279 Seiten langes Exemplar, dass erst am 22. Juni veröffentlich werden soll. Anscheind sind aber gescannte Teile des Tagebuchs ins Netz gekommen.

"Zum Zorn der Pekinger Netz-Kontrolleure können Zehntausende im chinesischen Inland und in Hongkong derzeit Li Pengs Tagebücher in einer Fassung lesen, die allerdings weder vom Autoren autorisiert noch in ihrer Echtheit bestätigt sind. Am 19. Mai 1989, als Li Peng auf Befehl Dengs das Kriegsrecht über Peking verhängen muss, notiert er in seinem Tagebuch, dass Deng der Armee angeordnet hat, Gewalt in Kauf zu nehmen. Auch wenn Li Peng alles, was Deng befahl, gutheißt, fühlt er sich doch zu Unrecht beschuldigt, der "Schlächter von Peking" zu sein."

Das Buch ist so brisant, weil es erstmals die Sicht eines Täters beschreibt - und somit wird Druck auf die Chinesische Regierung ausgeübt, denn die stellen die Sicht der Dinge anders dar, und muss nun ihre Geschichte aufarbeiten.

Wie nun weiterverfahren wird und was mit den Tagebüchern passiert weiß noch keiner. Es ist aber wohl eine kleine Krisensituation, und wie die chinesiche Regierung damit umgehen wird, wird sich zeigen. Experten sagen, sie werden öffentlich keine Stellungnehmen, aber intern Nachforschungen anstreben.

 

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