Es geht um die Berichterstattung nach der Loveparade. Mittlerweise wissen wir alle, dass 20 Menschen ums Leben gekommen sind und mehr als 500 Verletzte wurden. Wie viele Medien hat die Bild am Tag danach berichtet und auf ihrem Titelblatt ein Bild von den Menschen in der Massenpanik in großer Größe gezeigt. Und genau das könnte jetzt Ärger geben. Angeblich sind schon rund 115 Beschwerden eingegangen.
Ein Springer-Sprecher sagte zu den Beschwerden beim Presserat: "Wie alle Medien berichtet auch Bild - aus unserer Sicht angemessen und verhältnismäßig - über die tragischen, schockierenden Ereignisse während der Loveparade." Von Presserats-Beschwerden sei Springer bisher nichts bekannt. Die Nachrichtenagentur ddp hatte über eine Beschwerdeflut zur Bild-Berichterstattung über die Loveparade-Massenpanik vom vergangenen Samstag berichtet.
Die Beschwerden konzentrieren sich wohl um einen Verstoß gegen Ziffer 11 des Pressekodex. Eine ganz heikle Angelegenheit. Darin steht, dass Presseorgane auf eine "unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid" verzichten sollen. Auch eine mögliche Verletzung von Persönlichkeitsrechten steht im Raum, da einige Teilnehmer der Loveparade und auch Opfer möglicherweise auf Fotos zu identifizieren sind.
Am Montag, also zwei Tage nach der Katastrophe hat die Bild ein Foto der Massenpanik abgedruckt, fast in gesamter Größe des Titelblattes. Zu sehen sind Panik, Angst, verzweifelte Menschen, Leid und kein Ausweg.
Auffällig bei solchen unvorgesehenen Katastrophen stehen die Blattmacher vor der Schwierigkeit, dass es in der Regel wenig exklusives, selbst recherchiertes Material gibt. Gerade bei Fotos müssen sich notgedrungen alle aus demselben Agentur-Pool bedienen. Den Unterschied macht dabei die Auswahl, welches Bild groß gezogen wird, wie man die Fotos anordnet und durch die Headline den Ansatz wählt, der dem Thema an diesem Tag am stärksten gerecht wird. Dabei zeigen sich große Unterschiede. Die Frankfurter Rundschau etwa setzte nicht auf Masse, sondern aufs Gegenteil. Ein überdimensionales Foto vom fast menschenleeren Tunnel mit der Headline: "Die Leere am Tag danach." Die Abozeitungen von Axel Springer wählten ebenfalls Fotos, die Symbol sind und weniger Dokumente des Geschehenen, etwa eine zertretene Sonnenbrille im Loveparade-Look (Die Welt) oder Kreidezeichnungen am Tatort, die die Lage der Opfer skizzieren (Welt Kompakt, Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt). Auf die Spitze trieb diesen Minimalismus das Handelsblatt, auf dessen Titeloptik außer Asphalt und Beton nur im Kreis angeordnete Blumenstengel am Mittelstreifen zu sehen war. Titelzeile: "Deutschland trauert".
Der Presserat beschäftigt sich jetzt genauer mit dem Thema und wird auch für diesen speziellen Fall in Duisburg festlegen, wieviel die Presse zeigen darf, und wie viel eben nicht.
Hier gibt es eine Galerie mit einigen Titelblättern vom Montag. Galerie
Findet ihr so eine Berichterstattung gut, oder sollten solche Bilder nicht gezeigt werden?
Ich selbst bin ein bisschen zwiegespalten. Denn einerseits denke ich, die Leute die nicht da waren, sollen erfahren was dort passiert. Vor allem auch, weil gesagt wurde, von den Offiziellen, es gab keine Massenpanik, und die Bilder das gegenteil beweisen. Das man die Leute erkennen kann, finde ich ein schwieriges Thema. Ich weiß nicht, wie ich das finde.Hier könnt ihr im Forum diskutieren, einen Beitrag habe ich eingerichtet: Klick zum Forum (man mus nicht angemeldet sein, und kann als Gast mitdiskutieren)!
























1 Kommentare:
Der Grad ist schmal zwischen Sensationspresse und Berichterstattung und die Bildzeitung tendiert sicher gerne in die erste Richtung, andererseits sind es genau die Bilder, die verdeutlichen, wie grausam dieses Ereignis war, Zahlen sind eben nur zahlen, aus meiner Sicht geht es aber um Emotionen und Ängste und ums Verstehen.
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