Donnerstag, 29. Juli 2010

Gedicht der Woche

Eingestellt von Falballa um Donnerstag, Juli 29, 2010

Diese Woche habe ich mich für ein Gedicht von Kristine Allert-Wybranietz entschieden. Es heißt: Was man so sagt.

Was man so sagt

Als sie lachte,
sagte man ihr, sie sei zu kindisch.
Also machte sie fortan ein ernstes Gesicht.
Das Kind blieb,
aber es durfte nicht mehr lachen.

Als sie liebte,

sagte man ihr, sie sei zu romantisch.
Also lernte sie, sich realistisch zu zeigen.
Und verdrängte manche Liebe.

Als sie reden wollte,

sahte man ihr, darüber spreche man nicht.
Also lernte sie zu schweigen.
Die Fragen, die in ihr brannet,
blieben ohne Antwort.

Als sie weinte,

sagte man ihr, sie sei zu weich.
Als lernte sie, die Tränen zu unterdrücken.
Sie weinte zwar nicht mehr,
aber hart wurde sie auch nicht.

Als sie schrie,

sagte man ihr, sie sei hysterich.
Als lernte sie, noch zu schreien,
wenn niemand es hören konnte,
oder sie schrie lautlos in sich hinein.

Also zu trinken begann,

sagte manihr, das löse die Probleme nicht.
So sollte eine Entziehungskur machen.
Es war ihr egal, weil
ihr schon soviel entzogen wurde.

Was sie wieder draußen war,

sagte man, sie könne jetzt neu anfangen.
Also tat sie, als beginne sie ein neues Leben.
Aber wirklich Leben konnte sie nicht mehr.
Sie hatte es verlernt.

Als sie ein Jahr später

sich zu tode gefixt hatte,
sagte man gar nichts mehr.
Und jeder für sich versuchte
leise das Unbehagen mit den Blumen
ins Grab zu werfen.


Was sagt ihr zu dem Gedicht?

1 Kommentare:

Soleil on 29. Juli 2010 17:49 hat gesagt…

Das gedicht kommt mir sehr bekannt vor, ich glaube, wir haben es in der Schule (und das ist schon wig her) besprochen.
Ich würde aber empfehlen, sich das Copyright anzusehen. Einfach Gedichte suchen und einstellen ist soweit ich weiß nur erlaubt, wenn der Autor schon 100 Jahre (die genaue Zahl weiß ich nicht) tot ist.

 

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