Donnerstag, 29. Juli 2010

Internationales Festival der Poesie

Eingestellt von Falballa um Donnerstag, Juli 29, 2010
Kaum einer hat es mitbekommen und doch hat es stattgefunden: Das Internationale Festival der Poesie.

Stattgefunden hat das Festival in einer der gefährlichsten Städte der Stadt, nämlich in Medellín. Ohne großes Aufgebot der Polizei oder sonstige Sicherheitsmaßnahmen haben sich die Menschen dort getroffen und die Dichter aus der Welt versammelt. Zu einer Dichterlesung kamen bis zu 3.000 Zuhörer.

Gegründet wurde dieses Festival 1991 von dem Dichter Fernando Rendon. Das Festival wurde gegründet um ein Zeichen gegen Gewalt und Terror auf den Straßen zu setzen.

Die Zuhörerschaft ist sehr kompetent, hat ein deutscher Dichter am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk berichtet.  Einem der wenigen Sender, der sich überhaupt des Themas angenommen hat. Der Beifall ist sehr unterschiedlich und wertet durchaus die Qualität eines Vortrages. Auch sind die Kolumbianer selbst ein Volk von Dichtern. Sehr überrascht sind nicht-kolumbianische Dichter immer wieder, wenn sie als Zeichen der Anerkennung und auch Dankbarkeit von den Zuhörern kleine Büchlein mit selbst verfassen Gedichten geschenkt bekommen.
Im Jahre 2006 erhielt das Festival den Alternativen Nobelpreis. Dieses Jahr nahmen 80 Dichter aus der ganzen Welt daran teil.
Leider hat bis heute weder ein Gedicht, noch eine Geige, jemals eine Armee entwaffnet oder einen Mafiaboss zu einem anderen Menschen gemacht. Als man Stalin im zweiten Weltkrieg wegen seines grausamen Umganges mit den Kirchen, Klöstern und Christen vor dem Papst warnte, frage dieser nur: wie viele Divisionen hat der Papst? Und doch haben sich Menschen, gerade in schlimmen Situationen, immer einen Funken Hoffnung und den Sinn für das Schöne bewahrt. Um dann genau in den Brennpunkten von Gewalt und Hoffnungslosigkeit ein kleines Licht anzuzünden. So wie Fernando Rendón in Kolumbien oder auch der Dirigent David Barenboim mit seinem Jugendorchester, bestehend aus allen Nationen des Nahen Ostens. Auch Israelis und Palästinensern. Und sehr bemerkenswert, David Barenboim hat die argentinische, die russische, der spanische und die israelische Staatsbürgerschaft, sowie symbolisch - die palästinensische!
Wenn sich unsere Regierungen irgendwo treffen um Regelungen zu besprechen, die eigenartigerweise niemanden in Palästina oder in Kolumbien, in den letzten 30 Jahren, geholfen haben, schützen sie sich mit kleinen Armeen vor dem eigenen Volk. Vor uns. Uns schicken sie als Soldaten nach Afghanistan und als GTZ-Helfer nach Südamerika. Ohne jeden Schutz. Kann Juan Manuel Santos, der kolumbianische Präsident, dem Dichter Fernando Rendón eigentlich in die Augen schauen, ohne sich zu schämen, wenn er ihn denn eines Tages irgendwo treffen sollte? Können der israelische Präsident Schimon Peres und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas dem Dirigenten David Barenboim, ohne verlegen zu stottern, erklären, für was eigentlich die vielen Menschen auf beiden Seiten in den letzten Jahren sterben mussten?

Es gibt auch eine Homepage zum Festival: http://www.festivaldepoesiademedellin.org/

 

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