Aber ganz auf Anfang zurück: Vor kurzem hat mich André angeschrieben und mir die Reihe 'von fynf' vorgeschlagen. Andre ist sowas wie der Webseiten-Betreuer und die rechte Hand der beiden. Zuerst hat er mir den Blog http://blog.vonfynf.de zu der Reihe vorgeschlagen und gesagt, ich könne mich einmal umschauen. Das habe ich natürlich getan, und viele interessante Informationen zum Buch gefunden, aber auch zu den Autoren.
Dann war die Frage, ob euch einen kleinen Artikel schreibe, oder ob ich die Autoren bitte, selbst ein bisschen zu schreiben. Mich hat interessiert, wieso es zwei Autoren für eine Romanreihe gibt? Und viele andere Fragen. Die habe ich ihnen geschickt, und Michael Henschke hat ausführlich geantwortet
Wie kam es zu der Reihe?
Nun, Sigi und ich kommen eigentlich vom Theater her und
hatten schon mehrere abendfüllende Stücke geschrieben und in meinem
Sägmühlen-Verlag veröffentlicht, bevor die Idee zu "Von Fynf" entstand:
Während einer Autofahrt von Lorch im Remstal nach Alfdorf auf die Hochfläche
des Welzheimer Waldes sah ich unter mir das Tal gefüllt mit einer dichten
schneeweißen Wolkendecke, die das über ihr liegende Wolkenlicht in allen
Farben reflektierte. Der Anblick war so gigantisch, dass er in Worten nur
schwer zu beschreiben ist. Jedenfalls dachte ich mir: "Wenn man in dieses
Wolkenmeer springt, dann landet man in einer anderen Welt."
Eine kleine Fantsy-Erzählung war angedacht, von der ich schon drei kleine
Kapitel geschrieben hatte, als ich sie irgendwann, nachdem wir uns an einem
Theaterstück "leer" geschrieben hatten, Sigi vorlas. Sie bekam glänzende
Augen, wir spannen die Idee gemeinsam weiter, und die kleine Erzählung wuchs
Von den geplanten fünf Romanen ist nun der erste fertig, und wir sind dabei,
Endkorrektur zu lesen, bevor er in die Druckerei geht. Voraussichtlich im
Oktober werden wir das fertige Buch in der Hand halten, ein richtiges
fadengeheftetes Buch mit wunderschönem Hardcover-Einband und Lesebändchen.
Wir fiebern diesem Ereignis entgegen ...
Doch ich wollte mehr wissen. Ich habe Michael noch ein paar Fragen geschickt, die mich interessiert haben, von denen ich aber auch denke, dass sie andere interessieren könnten.
Wie habt ihr euch die Arbeit geteilt? Du hattest ja bereits die ersten Kapitel fertig, wie ist sie dann mit eingestiegen?
Einstieg Sigi/ Arbeitsweise: Die damals schon fertigen Passagen sind heute in die Kapitel
„Wolfsschanze“ und „Erlenbruch“ eingearbeitet. Das heißt, es gab zum damaligen Zeitpunkt
zwei Schauplätze und eine Person (Michel), und es gab die Idee, dass die Wolfsschanze ein
Schleusenort in eine andere Welt sein könnte. Der Einstieg von Sigi war also
unproblematisch, denn die Story, die daraus wurde, entwickelte sich in vielen abendlichen
Gesprächen in gemeinsamer Arbeit. Es entstanden skizzenhafte Notizen, von denen wir viele
im ersten Band verwendeten, andere Ideen wurden ganz verworfen oder für die folgenden
Bände aufgespart. Unsere Arbeitsweise war am Anfang nicht sonderlich spektakulär. Wir
trafen (und treffen) uns einmal wöchentlich an einem festgesetzten Wochentag abends; in
Konzeptionssitzungen entstand der grobe Verlauf der Geschichte bis zum Ende des ersten
Romans, aber wir entwickelten schon hier Ideen für den Fortgang in den folgenden Bänden,
nachdem uns klar wurde, welchen Umfang Von Fynf annehmen würde. Zu schreiben
begannen wir erst, als der Erzählfaden soweit fest stand, und wir schrieben anfangs jedes
Wort gemeinsam, das heißt, wir formulierten im Tandem, und es entstanden zwei völlig
identische Manuskripte in verschiedenen Handschriften. Diese Arbeitsweise haben wir bis
heute beibehalten und wenden sie vor allem dann an, wenn es sehr kompliziert wird. Was
uns in dieser Anfangsphase Mühe machte, waren die mehr beschreibenden Passagen über
Wesen, Landschaften, Handlungen usw., weil wir ja beide vom Theater herkamen und es
gewohnt waren, Dialoge und Regieanweisungen zu formulieren, die dann durch Bühnenbild
und Akteure umgesetzt werden. Erst später gingen wir dazu über, in weiteren
Konzeptionssitzungen detaillierte Inhaltsangaben ganzer Kapitel und Kapitelfolgen zu
entwerfen und die Schreibarbeit unter uns aufzuteilen. Damit entstand ein dritter Typus
unserer Treffen, bei denen wir uns gegenseitig unsere Ergebnisse vorlasen, kommentierten,
ergänzten oder änderten. Unsere Schreibstile waren da schon so aneinander angeglichen,
dass selbst gute Freunde, denen wir manchmal vorlasen, Mühe damit hatten, diese Texte
Sigi oder mir zuzuordnen. Die Autorensymbiose, die sich dabei immer weiter entwickelte, ist
für Außenstehende wahrscheinlich kaum nachvollziehbar, aber es ist Tatsache, dass unsere
Gehirne sowohl bei der Schreibarbeit, als auch bei der Entwicklung von Ideen geradezu
parallel geschaltet sind.
Weißt du schon, wie es thematisch weitergehen soll?
Weißt du schon, wo die Geschichte am Ende des letzten Bandes enden soll?
Warum ist diese Buchreihe etwas besonderes? Warum sollte ich das erste Buch kaufen?
Weiterentwicklung des Themas/Bedeutung von Band eins: Im Grunde sind die
diesbezüglichen Fragen im Ansatz schon beantwortet. Eins von Fynf ist fertig, ich lese
gerade noch Korrektur, und dann wird der Druckauftrag erteilt. Den genauen Stand der
Dinge veröffentlichen wir in den nächsten Tagen im Blog. Aber auch der Fortgang der
Erzählung in den kommenden vier Bänden steht als grobe Konzeption bereits fest, und wir
wissen, wie der letzte Band enden wird. Nur so konnten wir bereits in den ersten Roman die Kapitel einarbeiten, an denen die folgenden Bücher andocken werden. Dies beantwortet eine weitere Deiner Fragen: Eins von Fynf bietet nicht nur eine in sich bis zu einem bestimmten Punkt abgeschlossene Geschichte, sondern ist die „Drehscheibe“ für die folgenden Bände; deshalb ist die Lektüre des ersten Buches unerlässlich für das Verständnis der gesamten
Erzählung.
Ist in der Geschichte alles Fantasie, oder gibt es Bezüge zur Realität, persönliche Erfahrungen?
Besonderheiten/Realitätsbezug/Persönliche Bezüge: Etwas Besonderes an dieser
Buchreihe ist der weitgehende Verzicht auf das übliche Fantasy-Inventar, es gibt keine
Trolle, Zwerge, Elfen, Zauberer, Vampire oder Drachen. Die Geschichte spielt nicht in einer
längst vergangenen Zeit, nimmt aber Bezug auf die Anfänge, die uns in mythenhafter Form
überliefert sind. Die Hauptakteure sind Menschen, die unter gegenwärtigen Bedingungen an
realen Orten (deren Namen wir verändert haben) auf der Erde leben, bevor sie in diese in
Eins von Fynf beschriebenen Ereignisse hineingeraten. Darüber hinaus sind natürlich viele
Erlebnisse, Erfahrungen, Interessen und Gedanken von Sigi und mir in diese Erzählung
hineinverwoben, jedoch ohne dass wir sie als solche persönlichen Bezüge kenntlich
gemacht haben. Ob Eins von Fynf etwas Besonderes ist, muss letztlich jeder Leser für
sich entscheiden, aber die Reihe unterscheidet sich auf jeden Fall von Vielem, was im
Mainstream der Fantasy-Literatur liegt.
Danke für die ausführlichen Antworten! Ich finde dieses Hintergrundwissen unheimlich spannend und es macht Lust auf mehr. Ich bin grundsätzlich kein Fantasy-Fan, aber das ist eine dieser Geschichte, die spannend klingen.
Ich bin auch immernoch davon fasziniert, dass zwei Autoren eine Geschichte entwickeln, vor allem so, wie die beiden es gemacht haben. Auf dem Blog der beiden ist noch viel mehr dazu beschrieben. Und ständig wird man auf dem Laufenden gehalten, wie sich die Reihe entwickelt. Man ist quasi 'live' mit dabei.
Ich kann euch also momentan die ganze Sache nur empfehlen, und sie mit zu erfolgen. Die Autoren freuen sich auch, wenn man Kontakt zu ihnen aufnimmt und ihnen Fragen stellt. Sie selbst sind noch ganz gespannt wo das Ganze hinführt.
Ich werde diese Reihe verfolgen.
Viel Spaß euch allen beim Lesen, sobald das erste Buch dann auch da ist, und ich hoffe, einige von euch werden die Geschichte nun auch verfolgen.
http://blog.vonfynf.de/
























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