Vielen Dank für euer Interesse an einem Interview, Kendra
und Falballa! Ich bin gespannt, welche Fragen euch auf der Zunge brennen.
Mediencircus: Als
erstes würde ich gerne wissen, wie du zum Schreiben gekommen bist? Gab es einen
speziellen Moment an dem du wusstest, dass du Schriftstellerin werden möchtest?
Ich bin über viele Umwege zum professionellen Schreiben
gekommen. Als Kind malte ich meine verrückten Gedanken und Tagträume auf und
erzählte dann meine Geschichte zu den Bildern. Später begann ich, Science-Fiction,
Liebes- und Fantasygeschichten handschriftlich in Tagebücher und DIN A4 Hefte
niederzuschreiben. Mit 13 Jahren schenkten mir meine Eltern einen
Schreibmaschinenkurs und eine elektronische Schreibmaschine, woraufhin es kein
Halten mehr gab. Spätestens seit 1991 – mit dem Schreiben am Computer - ist das
Gefühl vollkommener Freiheit tief in mir verankert, das mich erfüllt, wenn ich
in einer Geschichte abtauche und sie niederschreibe.
Mir fällt kein einzelner Moment ein, in dem ich dachte:
„Jetzt werde ich Schriftstellerin.“ Im Jahre 2002 entschied ich nach 3
staatlichen Abschlüssen und einigen verschiedenartigen Jobs im In- und Ausland,
dass ich mich neben der Arbeit selbst im Schreiben schulen wollte, um besser zu
werden. Der Wunsch, Schriftstellerin zu werden schwelte mehr oder weniger immer
in mir und mit jedem Jahr habe ich härter daran gearbeitet, ihn zu
verwirklichen.
Mediencircus: Wie
kam es zu der Idee ein Eigenstudium "Kreatives Schreiben" zu belegen?
Der Grund, mich autodidaktisch zu schulen kam, als ich
meinen ersten Roman 2002 nach jahrelanger Überarbeiterei fertig geschrieben hatte.
800 Seiten Abenteuer pur. Freunde und Familie lobten die Geschichte, aber ich
las im Internet, dass man sich auf „dieses Urteil“ nicht verlassen sollte. ;)
Zum Glück hatte ich zwei Testleser, die konstruktive Kritik übten. Das
Resultat: Ich war noch lange nicht so weit/so gut, wie ich in meiner Freude,
den Roman abgeschlossen zu haben, gedacht hatte. Seitdem ist kein
Schriftsteller-Blog, kein Sachbuch, kein Schreib-Kurs, kein Autoren-Forum vor
mir sicher.
Mediencircus: Was
sind für dich die Vor und Nachteile als Schriftstellerin?
Mir fällt nur ein Nachteil ein. Von dem Gehalt eines
Schriftstellers kann man nicht leben. Natürlich kann sich dies mit dem Sprung
in einen Großverlag mit einem Bestseller rasch ändern … ist ohne Frage jedermanns
Traum und ziemlich unwahrscheinlich. Eine weitere Schattenseite könnten die
Arbeitszeiten bedeuten, die man sich selbst stecken muss. Ein undisziplinierter
Mensch wird wohl schnell sein Pensum vernachlässigen. Für mich sind die „nicht
vorhandenen“ Arbeitszeiten allerdings mit das Schönste. Ich darf mir meinen Tag
frei einteilen, das ist Luxus pur und ich werde einen Teufel tun und mich
während der Arbeitszeit auf die faule Haut legen und damit meinen Job
riskieren.
Weitere Vorteile sind für mich das Aneignen von Wissen,
das mich interessiert. Ich darf das Lesen von Büchern und Zeitschriften, das
Sehen von Filmen, das Joggen, das Recherchieren auf Webseiten als Arbeitszeit
werten. Ich darf das Anlegen von Plots, Charakteren und Grafiken sowie das
Abtauchen in meiner Fantasie und das Niederschreiben „Beruf“ nennen. Freie
Entfaltung. Ich kann mir keinen schöneren Job vorstellen.
Mediencircus: Wo
und wann schreibst du am liebsten? Außerdem würde mich interessieren ob du nach
Plan schreibst oder dich beim Schreiben einfach überrasche lässt, was
herauskommt?
Ich schreibe grundsätzlich in meinem Büro. Am liebsten
tauche ich in völliger Stille in meine Figur ein und als sie ins Geschehen ab.
Ab und zu hoch konzentriert mit Ohrstöpseln, an anderen Tagen mit Musik über
Kopfhörer, um Atmosphäre zu schaffen.
Einen festen Zeitpunkt zum Schreiben habe ich nicht, aber ich schreibe auf
jeden Fall täglich. Oft arbeite und fühle ich mich morgens in die neue Szene
ein und nach der Mittagspause hämmere ich sie in den PC.
Plan oder Überraschung? Beides. Ich plotte sehr
ausführlich, erschaffe eine Geschichte, die aus den detailliert zum Leben
erweckten Figuren entsteht. Mein Schwerpunkt liegt neben der Story und
natürlich den nachvollziehbaren Handlungen auf den Charakteren. Erst wenn sie
ein Teil von mir geworden sind, beginne ich mit dem Schreiben. Sie entwickeln sich
während der Schreibphase weiter und scheren häufig unvermittelt aus meiner
Storyline aus. Ich plane die Eckpunkte eines Szenariums und lasse die Figuren
von der Leine. Fast immer erstaunen sie mich und ab und zu bescheren sie mir ein
Haareraufen, weil sie plötzlich stur ihr Ding durchziehen. Dann heißt es von
ihnen: „Friss, Autor, oder stirb, denn anders bin ich eben nicht.“ Und ehrlich
gesagt, fresse ich meinem Charakteren in solchen Momenten aus der Hand. ;)
Mediencircus:
Ähneln deine Figuren im Roman Menschen in deinem Umfeld? Verknüpfst du gewisse
Eigenschaften mit ihnen? Oder sind sie frei erfunden?
Zwar sind alle Charaktere von mir frei kreiert, doch
bestehen sie natürlich auch aus meinen Erlebnissen, Erfahrungen und
Beobachtungen. Keine meiner Figuren, veröffentlicht oder unveröffentlicht,
gleicht einem Menschen aus meinem Dunstkreis. Ich suche mir die Informationen
zusammen, die ich genau für diese Person benötige und dann schreibe ich über
ihre Vergangenheit, einprägsame Anekdoten und Beziehungen und lerne sie so mit
jedem Wort besser kennen. Daraus ergeben sich weitere Charakterzüge, die aus
der ganz persönlichen Geschichte der Figur heraus entstanden sind.
Mediencircus:
Konntest du bei der Auswahl des Covers mitbestimmen?
Ich habe mich da gänzlich auf meinen Verlag und die
Grafiker verlassen, schließlich war dies mein allererstes Cover. Eine
aufregende Sache. J
Ich war sehr überrascht, als der Sieben Verlag mich vor
Erstellung bat, kurz die Hauptprotagonisten zu beschreiben, weil die
„Liebespaare“ einen Wiedererkennungswert haben sollen. Wow! Das fand und finde
ich große Klasse. Einige Monate vor Veröffentlichung erhielt ich das vorläufige
Cover per Mail und die Möglichkeit, meine Meinung zu äußern.
Jonas und Cira aus Band 01 der Night Sky Trilogie „Sklave
des Blutes“ sind gut getroffen und auf den Covers von Band 02 „Schwur des
Blutes“ und Band 03 „Schicksal des Blutes“ stimmen die abgebildeten Personen hundertprozentig
mit dem neuen Paar überein. Ich bin total happy und begeistert!
Mediencircus:
Beschreibe bitte kurz das Gefühl als du zum ersten Mal das fertige Buch in den
Händen gehalten hast.
Es ist witzig, dass du fragst, denn euer Interview fällt
genau in den Zeitraum, in dem meine Belegexemplare „eintrafen“.
Der Weg von Deutschland nach Zypern ist (zumindest für die
Post) ziemlich lang. An die Tür-Lieferungen von DHL gibt es nicht und wir haben
nicht einmal einen Briefträger im Dorf, sondern nur P. O. Boxen für
normale Briefe. Als der Zettel der Post mich erreichte, lag das Paket mit den
Büchern bereits eine Woche auf der Hauptpost, die 40 km entfernt liegt. Freunde
versuchten, das Paket mitzubringen, doch es schien auf der Post unauffindbar zu
sein. Himmel! Da schreibt man sein ganzes Leben lang und wartet auf diesen
einen besonderen Augenblick und dann so etwas!
Als ich Tage darauf am Schalter stand, war mir klar, dass
ich niemals ohne mein Bücherpaket wieder nach Hause fahren würde. Ich hätte
wohl eher das Lager komplett ausgeräumt. ;) Im Auto öffnete ich das Paket – und
da war es. Mein Buch! Mein erstes, eigenes, gedrucktes Buch. Ich konnte den
Umschlag streicheln, durch den Inhalt blättern. Die Seiten rochen druckfrisch,
obwohl wir so lange aufeinander hatten warten müssen. An diesem Tag dachten
Passanten vermutlich, dass mein Partner und ich gerade aus einem Gebüsch
gekrochen kamen, weil ich nicht vorhatte, mein breites Grinsen wegzuwischen. Ich
kostete meinen Glücksmoment voll und ganz aus und bin immer noch glücklich.
Mediencircus: Was
hat dich eigentlich nach Zypern verschlagen? Was magst du besonders an deiner
neuen Heimat?
Ich liebe die Sonne und die hohen Temperaturen, außerdem
lebe ich gern von Natur umgeben. Mein Lebenspartner und ich sind selbstständig,
benötigen außer jeweils einem eigenen Büro, Computer und Internet
ausschließlich Ruhe, um vernünftig arbeiten zu können. Zypern hat sich mit über
300 Sonnentagen, der Nähe zu Deutschland, der Verkehrssprache Englisch und
vielen anderen Kleinigkeiten als Favorit auf unserer Auswanderliste
herauskristallisiert. Nach zwei Umzügen auf der Insel haben wir endlich unser
Örtchen der Ruhe auf einem Berg im Grünen gefunden.
Besonders mag ich die Stille und die Wärme.
Mediencircus:
Beschreibe dich selbst in 3 Worten
Optimistisch, sensibel, diszipliniert.
Mediencircus:
Welches ist dein Lieblingsbuch, dass du nicht selbst geschrieben hast?
Den meisten ist dieses Buch wahrscheinlich als Film bekannt:
„Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten/Romancing the Stone“. Ich könnte es
immer wieder lesen. Die unnachahmliche Mischung aus Abenteuer, Humor und
Liebesgeschichte - Spannung pur. Sicherlich mag ich es auch, weil sich die
Geschichte um eine Autorin dreht, die lernt, mit beiden Beinen auf dem Boden zu
stehen und zuzutreten, falls nötig. J
Ein wenig aktueller sind die Bände 5 und 6 der Black
Dagger-Serie, die mich begeisterten und deren Charaktere immer noch in meinen
Gedanken nachhängen.
Mediencircus:
Welche Erwartungen, sprich Hoffnungen hegst du für das Buch : "Sklave des
Blutes" ?
Es ist mein Roman-Debüt, deshalb habe ich überhaupt keine
Ahnung, wie fremde Leser meinen Stil, meine Ideen, meine Charaktere aufnehmen.
Ich hoffe, dass den meisten die Erzählung um Cira und Jonas gefällt, dass ihnen
die Tiefe der Figuren zusagt, dass etwas aus der Geschichte in ihnen
nachklingt, sodass sie sich auf Night Sky 02 „Schwur des Blutes“ freuen. Des
Weiteren wünsche ich mir, mir einen guten Namen als feinfühlige
Schriftstellerin zu machen.
Mediencircus: Zum Schluss stellt sich noch die Frage, wie geht es mit
dir weiter, bzw. was haben deine Leser in Zukunft von dir zu erwarten?
Bereits im November dieses
Jahres kommt der 3. Schreibstilratgeber heraus.
Zurzeit schreibe ich an Band
02 der Night Sky Trilogie „Schwur des Blutes“, der im Februar 2012 im Sieben
Verlag das Licht der Welt erblicken wird. Der 3. Band „Schicksal des Blutes“
erscheint voraussichtlich im August 2012.
Gleich im Oktober 2012 geht
es weiter mit dem Auftakt einer spannenden Serie um die Rettung einer seltenen
Vampirspezies, den Amorphen: „Amorphenblut 01 – Lyon“. Der erste Band ist schon
geschrieben und vom Verlag lektoriert, deshalb werde ich mich nach der Night
Sky Trilogie sogleich in „Amorphenblut 02“ vertiefen dürfen. So weit zu den feststehenden
Veröffentlichungen.
Facettenreiche Ideen,
ausgearbeitete Plots und angefangene Romane schlummern in mir und meinen
Schubladen und warten begierig auf den richtigen Zeitpunkt, um hervorgeholt zu
werden. Meine Leser dürfen erwarten, dass noch einiges von mir erscheinen wird.
J
Vielen Dank für das tolle Interview und die ehrlichen Antworten!
Hier könnt ihr gucken:
Rezensionen
1. Lesegenuss -
Rezension
2. Buchzeilen -
Rezension